Montag, 13. Juni 2016

Wir haben wirklich Qualität im Spielaufbau - Interview mit Riana Fischer

Passend zur EM habe ich eine Fussballspielerin des FC Zürich getroffen und ihr einige Fragen gestellt.
Viel Spass beim Lesen


1. Wie würdest du Fussball in 3 Adjektiven beschreiben?
Hmm, drei Adjektive. Ähmm, teamorientiert, hart und... schwierige Frage. Flexibel, teamfähig...? Der Spass ist auf jeden Fall wichtig.

2. Was sind deiner Meinung nach Sonnen- und Schattenseiten beim Fussball?
Für Personen, welche gerne im Team spielen ist Fussball natürlich ein Hit. Bei internationalen Spielen ist das Kennenlernen anderer Länder besonders cool.
Ich kann gar nicht sagen, welches das schönste Land gewesen ist, da ich schon an so vielen Orten war. Richtig cool war es mal mit der Nationalmannschaft in Spanien gewesen. Dort hat es mir richtig gut gefallen, da wir immer zu zweit ein kleines Haus gehabt hatten.
Manchmal besuchen wir auch Länder, wohin ich niemals freiwillig reisen würde, welche sich jedoch plötzlich als recht interessant erweisen. Natürlich siehst du nicht alles. Doch du kannst immerhin sagen, dass du schon einmal in diesem Land warst.
Schattenseiten... Nun, Fussball ist auch sehr intensiv, zudem ich auch noch 100% arbeite. Auch die vier, fünf Mal Training in der Woche nehmen viel Freizeit in Anspruch. In meinen Augen ist dies jedoch der einzige negative Punkt.

3. Wie stehst du dazu, dass Frauenfussball noch nicht wirklich anerkannt ist?
Ich finde es extrem schade, doch ich habe das Gefühl, dass es mit der Zeit kommt. Wenn man einige Jahre zurückblickt, dann kann man wirklich feststellen, dass sich Frauenfussball enorm entwickelt hat.

4. Inwiefern hat sich deine Meinung verändert, seit du früher noch dachtest, dass Mädchen/Frauen nicht Fussball spielen können?
Als ich mit etwa 12 Jahren zu den Mädchen gewechselt habe, war ich nach dem Probetraining positiv überrascht gewesen. Auch wenn das Spielen mit Mädchen etwas völlig anderes war, hatte es mir unglaublich viel Spass gemacht.
Bei den Jungs entstand nie eine Bindung, wie bei den Mädchen. Abgesehen von der Einzel Kabine war auch auf dem Platz vieles anders gewesen. Mit den Mädchen hatte ich es unglaublich lustig, auch wenn ich mit ihnen die Kabine teilte.
Dass es bei den Mädchen etwas langsamer war, merkte ich am Anfang sehr stark. Unterdessen finde ich jedoch, dass wir auf einem sehr guten Level spielen. Frauenfussball ist sich wirklich am Verbessern. Und dies ist das Positive. Es kommt immer mehr, was meiner Meinung nach auch so sein sollte.

5. Denkst du, es wird jemals gleich sein zwischen Männer- und Frauenfussball?
Hmm, das denke ich eher weniger. Männerfussball wir immer einen höheren Stellwerk haben. Männer spielen in der Spielweise halt einfach ein Stück schneller. Bei der Härte, den Zweikämpfen kam man jedoch sagen, dass wir Frauen genauso dazwischen gehen wie Männer.

6. Sind die Klischees gegenüber Frauenfussball als Kritik zu verstehen?
Mit diesen Klischees müssen wir eigentlich leben. So schenke ich ihnen auch nicht grosse Beachtung. Schliesslich weiss ich ja aus eigener Erfahrung, wie Frauenfussball wirklich ist.  


7. Wird es nicht eng zwischen Arbeit und Fussball?
Wie schon gesagt, ist es sehr intensiv. Nach der Arbeit gehe ich direkt ins Training. Zuhause bin ich dann etwa gegen neun Uhr abends. Mein einzig freier Tag ist eigentlich nur der Sonntag, da der Samstag wegen den Fussballspielen oft sehr verplant ist.

8. Bist du zufrieden mit deiner Mannschaft?
Ja, einwandfrei, wir verstehen uns sehr gut. Wir sind auch ein sehr junges Team. Dafür, dass die Mannschaft jedes Jahr wieder wechselt, da uns viele verlassen oder neue hinzukommen, schlagen wir uns sehr gut. Es klappt auch gut, wenn jemand Neues dazu kommt, welche zuerst unsere Spielphilosophie neu kennenlernen uns sich sozusagen "reinarbeiten" muss. Mir gefällt es hier sehr gut. Untereinander haben wir's auch mega gut. Dies ist meiner Meinung nach sehr wichtig, damit wir auch auf dem Feld eine gute Leistung bringen können.

9. Ist es denn nicht auch enttäuschend, wenn du eine gute Kollegin gewonnen hast und diese in eine andere Mannschaft wechselt?
Ja, es sind immer traurige Momente. Doch wenn man gut befreundet war, dann sieht man sich immer wieder einmal in der Freizeit, um gemeinsam etwas zu unternehmen. Es kam auch schon einige Male vor, dass wir uns wieder auf dem Feld trafen und plötzlich gegeneinander spielten. Das ist manchmal ziemlich witzig.

10. Was sind denn die Stärken deiner Mannschaft?
Ähmm. Wir sind eine Mannschaft, welche sehr gute Qualität im Spiel hat. Meiner Meinung nach haben wir wirklich Qualität im Spielaufbau, was wahrscheinlich auch daran liegt, dass wir in jeder Reihe sehr gute Spielerinnen haben. Da hält wirklich alles zusammen und dies gibt uns auch das nötige Selbstvertrauen.

11. Zum Thema EM. Bist du da für die Schweiz?
Ja, auf jeden Fall. Ich drücke ihnen wirklich die Daumen. Ich hoffe wirklich, dass sie ins Achtelfinale kommen.

12. Dein Vater ist Trainer bei den Männern des FC Basel. Wie ist es, wenn dein Vater Trainer einer verfeindeten Mannschaft von Zürich ist?
Früher dachte ich: "Oh nein, Basel, die mag ich gar nicht." Seit mein Vater dort Trainer ist, hat sich meine Sicht auf den FC Basel positiv verändert. Da habe ich auch bemerkt, dass sie alles andere als abgehoben sind.
Nun, die Feindlichkeit zwischen Basel und Zürich wird immer bleiben, aber es ist nichts Grosses mehr für mich.



Vielen Dank für das Interview, Riana und herzlich Willkommen auf meinem Blog.
Wie steht ihr denn zum Frauenfussball?
Bis bald
Cleo

 



Kommentare:

  1. Hey, das ist ein voll cooles Interview und sehr interessant. Hast du echt Glück gehabt eine Fußballerin treffen zu können. Bei uns in München ist das so leider nicht möglich.
    Bis später
    LG Livia

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  2. sehr sympathisch aber selbst die frauen champions league heuer war wieder sehr langsam und behäbig - zumindest sah's am tv viel langsamer als bei den männern aus, muss man eben in relation bei allem hype immer noch attestieren ;(

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  3. Das ist ein echt tolles Interview :) Sie wirkt super sympathisch :)

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  4. Sehr sehr cool <3

    Allerliebste Grüße,
    HOLYKATTA || INSTAGRAM

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  5. ein super spannender Artikel und ich kann mich den anderen nur anschließen - sie wirkt sehr sympathisch :)
    ich muss aber ganz ehrlich zugeben, dass ich kein großer Fan von Frauenfußball bin. Das liegt aber eher weniger an den Frauen, als daran, dass ich generell nicht so viel mit Fußball anfangen kann :D Das reicht gerade, um mir die Deutschland Spiele der Männer bei EM und WM anzuschauen :D

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